Wiedereinstieg in den Alltag – alles zurück auf Los? Ein Versuch, erste Lehren aus der Covid-19-Pandemie für die Kommunikation zu ziehen

22.05.2020 Unternehmenskommunikation von Dr. Götz Schlegtendal 

Corona-Pandemie: Unvorhersehbarer Einzelfall – der oft genannte „Schwarze Schwan“ von Nassim Taleb – oder zu erwartendes Ereignis, das entsprechender Vorbereitung bedarf? Nikolaus von Bomhard, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Munich Re, sagte vor einigen Jahren: „Die vermeintliche Unvorhersehbarkeit von Ereignissen muss nur allzu oft als Ausrede für fehlendes Risikomanagement herhalten.“

Unternehmer, Manager und auch das Gros der Menschen tun sich sehr schwer mit dem Erfassen von Extremereignissen. Sie passen nicht in unsere normale Gedankenwelt. Zudem neigen wir dazu, dass wir die Zukunft aus der Vergangenheit ableiten. Tatsächlich aber ist das Leben weit mehr von Zufällen bestimmt, als wir es uns vorstellen. Sehr empfehlenswert dazu „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahnemann: Er zeigt, warum Heuristiken und kognitive Wahrnehmungsfehler uns so häufig im Weg stehen.

Für die aktuelle Pandemie lässt sich voraussichtlich feststellen, dass sie wohl ein weißer Schwan sein wird: Das Ereignis war zu erwarten, nur der genaue Zeitpunkt war unklar bzw. es gab eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit mit hoher Schadensausprägung. Das soll an dieser Stelle aber nicht weiter diskutiert werden. Feststellen lässt sich auf jeden Fall, dass in vielen Unternehmen das Risikomanagement, aber auch interne Prozesse und Kommunikation, zu wenig auf überraschende Großereignisse ausgerichtet sind. Es scheint, als sei das Risikomanagement auf die guten Tage ausgerichtet und nicht auf die wenigen, aber stürmischen Krisentage. So kritisierte der französische Mathematiker Benoît B. Mandelbrot immer wieder den unprofessionellen Umgang mit Risiken und Unsicherheit: Er zog den Vergleich zum Schiffbau, in dem Schiffe für die fünf Prozent aller Seetage entworfen werden, in denen Taifune oder Hurrikane toben, und nicht für die 95 Prozent Tage mit gemäßigten Wetterlagen. In größeren Unternehmen sollte daher umfassende Vorsorge getroffen werden. Dies betrifft beispielsweise die Stabilität, die Länge und Internationalität von Lieferketten, auch den Verzicht auf Lagerhaltung oder die Entscheidung für Single-Sourcing. Auch ein Mangel an Verantwortung und Kontrolle kann Schäden hervorrufen.

Alle Aspekte hängen eng mit dem Thema ESG (Environment, Social, Governance) zusammen. Dabei steht Governance über allem, denn gute Governance verhindert Fehlentwicklungen in den anderen Bereichen, beispielweise auch bei der Risikoanalyse und dem Risikomanagement. Ein erstes Learning: Unternehmen müssen das Risikomanagement ernst nehmen und mehr in Szenarien und Vorsorge denken – unter Berücksichtigung von Ereignissen mit niedriger Wahrscheinlichkeit.

Learning zwei: Agilität rules. Je schneller ein Unternehmen reagieren kann, je flexibler auf unterschiedliche Entwicklungen in einzelnen Märkten und Regionen eingegangen wird, desto besser. Gerade wenn die Sicherheit und Gesundheit von Menschen (Arbeitnehmern, Kunden usw.) gefährdet sind, sind Schnelligkeit, Verantwortlichkeit und Klarheit in der Kommunikation extrem wichtig.

Drittens: Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat an Bedeutung gewonnen. Remote arbeiten wurde zur Selbstverständlichkeit. ABER: Persönliche Kontakte sind und bleiben wichtig. Erfolgreiche virtuelle Beziehungen basieren oft auf Vertrauen, das in persönlichen Begegnungen aufgebaut wurde.

Weitere Learnings werden folgen: Bleiben Sie am BallBlog.

# Risikomanagement # Black Swan # ESG # Digitalisierung

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