Und die Welt verändert sich doch. Zum Besseren. Schlussfolgerungen aus der US-Wahl

09.11.2020 Public Affairs von Bernd Buschhausen 

Ich schätze, am Morgen des 4. November ist es vielen ähnlich ergangen wie mir: Man wacht auf mit der Enttäuschung, dass Joe Biden die US-Wahl nicht so überwältigend gewonnen hat, wie es die vielen Meinungsumfragen, wenn nicht erwarten, so doch hoffen ließen. Wie schade, dass der amtierende Präsident nicht sofort aus dem Weißen Haus getragen wurde. Die jubelnden Menschen hat man erst Tage nach der Auszählung der Stimmen und vielen Trump-Tiraden später gesehen.

Aber dieser doch flüchtigen Enttäuschung zum Trotz: Die Welt hat sich nach diesem Wahlergebnis verändert. Und zwar zum Besseren, wie der am Ende klare Sieg der Biden-Kampagne zeigt.

Anstand, Respekt, Rücksicht sind wieder Mehrheitstreiber. Noch nie hat ein Kandidat mehr Stimmen in einer US-Wahl gewonnen als Joe Biden. Ausgleich und demokratische Werte haben sich als politische Richtlinien mehrheitlich gegen autoritäres Gehabe durchgesetzt. Trump hat zwar überraschend stark seine Basis mobilisieren können, zugleich aber auch eine Gegenbewegung des Anstandes in Gang gesetzt.

Guter Charakter entscheidet; Lügen, Hass und Rassismus sind nicht mehrheitsfähig. Das Wahlergebnis macht deutlich: Die Mengen, die für Trump und seine Politik ihre Stimme geben, sind eben nur Scheinmehrheiten, die sich allerdings über gerissenes Taktieren an die Macht bringen können. Umso wichtiger ist es, dass rechtsstaatliche Institutionen bekräftigt werden und dass Medien ihrer Rolle für Transparenz und Aufklärung gerecht werden.

Mit dem Ergebnis werden neue, positive Energien freigesetzt. Nicht nur in den USA, auch weltweit ist ein Aufatmen spürbar: Das Trump-Fieber geht vorbei, die Unsicherheit des Unberechenbaren wird durch Planbarkeit des Vernünftigen ersetzt. Man wird nicht mehr wie gebannt auf die nächste Twitter-Äußerung eines enthemmten Wahrheitsverdrehers warten, sondern das eigene Handeln auf verlässlichere Worte eines US-Präsidenten setzen. Das wird sich weit über das Politische hinaus auch im alltäglichen Miteinander auswirken: Verschwörungstheoretiker, Hassprediger und Anti-Demokraten haben eben kein Vorbild an höchster politischer Stelle als Ausrede mehr.

Aber das Wahlergebnis in des USA zeigt auch: noch nie mussten so viele Wähler in einem so stark von Lügen, Hass und Desinformation geprägten Kommunikationsumfeld ihre Stimmentscheidung treffen. Gerade hier öffnet sich das Problem der heutigen Meinungsforschung: Im Bestreben, die Realität im Meinungsumfeld abzubilden, scheitert sie an den Blasen der Falschinformation, in der sich heute ganze Bevölkerungsgruppen bewegen.

Für Kommunikationsverantwortliche ergibt sich hieraus eine wichtige, auch gesellschaftliche Aufgabe: Wir müssen Propaganda beiseiteschieben und eng an die echte Mehrheit heran, an deren Ängste, Bedürfnisse, Wünsche – und somit bessere, verantwortungsvolle Kommunikation gestalten. Das Beispiel der Biden-Kampagne beweist: Es lohnt sich!

# US Wahl 2020 # Verantwortung # Public Affairs

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