Die Quadratur des Kreises schaffen

17.04.2020 Public Affairs von Carsten Böhme 

Was würden die Regierungsbeschlüsse zu Corona am Mittwoch bringen? Die Erwartungen waren groß – nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen Nachbarländern. Worauf würden sich Bund und Länder hinsichtlich der Aufhebung zahlreicher einschneidender Beschränkungen des öffentlichen Lebens einigen? Wie geht es weiter nach einem Monat Stillstand? Für die meisten Menschen steht extrem viel auf dem Spiel: Unternehmer fürchten um ihre Betriebe, Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze, Schüler und Studenten um ihren Abschluss, Investoren um ihr Kapital – und nicht nur Risikogruppen um ihr Leben. Es kommt einer Quadratur des Kreises gleich, alle Interessen sofort zu bedienen. Aber solange es im Kampf gegen Covid-19 weder Impfung noch Therapie gibt, müssen alle Menschen mit dem Virus und seiner möglichen Ausbreitung leben. Ein umsichtiges Vorgehen ist unerlässlich.

Die ersten Lockerungsbestimmungen für Deutschland einen Monat nach Beginn des Lockdowns erhielten national wie international weitestgehend Anerkennung. Das Abwägen von Prioritäten mit Blick auf Gesundheit und Wirtschaft, Menschenleben und Arbeitsplätze scheint auf dem Papier und kommunikativ vor den Fernsehkameras gelungen. Die kommenden Wochen werden aber erst zeigen, ob die Entscheidungen richtig waren – und auch, wie verantwortungsvoll die Unternehmen sich hierbei verhalten.

Denn die Coronakrise hat in wenigen Monaten deutlich gezeigt, was für alle großen Krisen gilt: Fehler werden nicht verziehen. Und diesmal können Fehler auch nicht so leicht vertuscht oder vergessen werden, weil die Inkubationszeit von 14 Tagen überschaubar ist. Die Öffentlichkeit kann so einen möglichen deutlichen Anstieg von Fallzahlen mit Entscheidungen bzw. falsch getroffenen Entscheidungen verbinden. Beispielhaft können hierfür Ischgl, Heinsberg, Ostfrankreich, die USA oder auch Großbritannien genannt werden. Die Verantwortung der Politiker ist groß, der Druck immens und die Entscheidungsträger schlicht nicht zu beneiden.

Allerdings sind auch Unternehmensführer nicht viel besser dran in diesen Tagen. Auch für sie gilt, dass Dynamik und Komplexität der Coronakrise für unzählige Fallstricke sorgen. Vieles haben Unternehmer bereits vor dem Virusausbruch versäumt – was nun offen zutage tritt. Weil es in den Jahren zuvor an einem professionellen Business-Resilience- bzw. Krisen-Management fehlte, waren Umstellungen bei Produktion, Logistik und Vertrieb bzw. auf den Homeoffice-Modus schwierig bis unmöglich. Und während der Krise fehlten den Managementteams offensichtlich klare Ablaufprozesse, um unter dem Druck und der Dynamik der Situation eine klare Haltung zu formulieren, schnelle Entscheidungen zu treffen und diese richtig zu kommunizieren. Auch hier lassen sich zahlreiche Beispiele nennen: von Adidas über Tesla bis hin zu Amazon. Viele weitere werden folgen.

Die geringe Fehlertoleranz gilt übrigens auch unverändert nach den Lockerungsbeschlüssen der Bundesregierung. Mit dem Hochfahren von Produktion und Handel kommen sogar weitere kritische Themenbereiche hinzu. Wie bekomme ich Wirtschaftlichkeit mit dem Gesundheitsschutz von Kunden und Mitarbeitern in Einklang? Was mache ich, wenn es zu Infektionen kommt? Wie erkläre ich dann erneute Werks- und Geschäftsschließungen? Wie erhalte ich das Vertrauen meiner Stakeholder und schütze die Reputation des Unternehmens? Dafür sind durchdachte Unternehmensprozesse und eine angemessene Kommunikation, die auf einer vorausschauenden professionellen Business-Resilience-Planung basieren, unerlässlich. Handlungsmaxime muss dabei immer die gesellschaftliche Verantwortung sein, die weit über rein unternehmerische Zwänge und Ziele hinausreicht.

# Coronakrise # Lockerungsbestimmungen # Covid-19

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