Olaf Scholz – Sachwalter, Visionär oder Brückenbauer?

08.12.2021 Public Affairs von Michael Dietrich 

Zum Schluss ging es dann irgendwie schneller als gedacht: Die Woche zwischen dem letzten großen Auftritt der Kanzlerin beim Zapfenstreich und der heutigen Wahl ihres Nachfolgers Olaf Scholz hatte etwas von der Zeit zwischen den Jahren. Alles geht irgendwie seinen Gang, man weiß, was kommt und ehe man sich versieht, hat das neue Jahr schon begonnen. So ähnlich ist es auch mit der neuen Regierung von Olaf Scholz: Man kennt ihn und ist gespannt, wie es jetzt weitergeht. Was aber hat Olaf Scholz eigentlich mit Deutschland vor und welche Rolle darf man von ihm erwarten?

Öfter mal was Neues

Etwas mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler haben die Ampel gewählt, gewollt haben sie so viele bestimmt nicht am Wahltag. Aber spätestens seit der Vorstellung des Koalitionsvertrages waren sich doch viele einig: Das fühlt sich anders an als die 16 Jahre zuvor. Dieser neue Aufbruch, der Fortschrittswille, das behände Unruhige, das im Koalitionsvertrag der Ampelparteien durchscheint, macht vielen Lust auf das Neue.

Ist aber Olaf Scholz mit dem neuen Koalitionsvertrag nun vom hanseatisch zurückhaltenden Finanzminister auch zum progressiven Visionär gewandelt? Sicherlich nicht! Und das ist auch gar nicht seine Rolle, in der er sich zu sehen scheint. Vielmehr träfe es da der Begriff des „Brückenbauers“ und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Nicht links, nicht rechts – aber mehr Zukunft wagen

Erinnern wir uns noch einmal an die ganzen Durchstechereien bei den Jamaika-Koalitionsverhandlungen 2017, all jene roten Linien und die schwarzen eckigen Klammern. Und bei der Ampel? Nichts! Stattdessen eisernes Schweigen, manchmal wohl auch mit zugepressten Lippen, aber am Ende ein ruhiger, sachlicher Prozess der Annäherung dreier verschiedener Parteien. Und mittendrin Olaf Scholz, der Verbinder, der schon im Wahlkampf immer ein wenig mehr gegrinst hat, wenn es um die Ampel ging. Was dem Brückenbauer Scholz mit der Ampel gelang, lässt sich am besten an der Reaktion der Opposition sehen: Die Union erkennt keinen Aufbruch im Koalitionsvertrag, für die AfD ist das Ganze ein „linkes Projekt“, wohingegen die LINKE im Vertrag nur die „gelbe Handschrift der FDP“ erkennen kann. Daraus lässt sich ex negativo eines deutlich herausarbeiten: Die Ampel-Koalition hat einen klaren Weg der Mitte gewählt, und der Kurs ist klar: nach vorne.

Und auch in einer anderen Hinsicht scheint die Bezeichnung Brückenbauer nicht falsch gewählt: Das verbindende Element zu sein zwischen den Merkel-Jahren und dem, was nach ihm kommt – das wird wohl die Rolle eines Kanzlers Olaf Scholz sein. Was in vier Jahren sein wird, kann noch keiner wissen. Ob die Ampel eine Fortsetzung findet, die Union wieder auf die Beine kommt oder wir ganz neue Parteien sehen werden. Fürs Erste jedoch steht der Kurs schon fest: weder rechts noch links, sondern in Richtung Zukunft.

 

 

# Ampel-Koalition # Zukunft

Zurück