Nach dem Sturm aufs Kapitol: Auch CEOs müssen es richten.

11.01.2021 Public Affairs von Carsten Böhme 

Das Jahr 2021 beginnt mit einem historischen Moment: dem Sturm auf das Kapitol in Washington D.C. am 6. Januar. Der Schaden für die US-amerikanische Demokratie, das Ansehen des Landes und insbesondere die Republikanische Partei ist immens – ganz zu schweigen von dem Verlust von mindestens fünf Menschenleben. Verantwortlich ist in erster Linie Präsident Donald Trump, der seine Wahlniederlage über Wochen nicht eingestehen will und stattdessen lieber seine Anhänger mit Lügengeschichten aufwiegelt.

Doch mit den gewaltsamen Protesten rund um das Kapitol scheint das Fass übergelaufen zu sein. Plötzlich fühlen sich nicht nur Parteifreunde genötigt, sich von Trump und den Geschehnissen zu distanzieren. Auch zahlreiche CEOs haben sich zu Wort gemeldet, von Apple über Goldman Sachs bis Johnson & Johnson. Sie verurteilen die Vorkommnisse, drängen öffentlich auf eine friedliche Amtsübergabe, drohen mit dem Entzug von Spendengeldern für die Republikanische Partei.

Nun braucht es hoffentlich keinen Sturm auf den Reichstag, damit sich hierzulande die Verantwortlichen in den Führungsetagen der Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden. Der aufkeimende Populismus bedroht auch in Deutschland und Europa zunehmend den gesellschaftlichen Dialog und damit den Zusammenhalt samt Wohlstand. Der Brexit kann in diesem Zusammenhang als europäischer Mega-Gau angesehen werden. Es sei aber auch an die Querdenker- und Gelbwestenbewegungen erinnert, an die Leugner des Klimawandels oder die Impf- bzw. Bill Gates-Gegner.

Die unterschiedlichen Strömungen dieser Populismus-Welle haben eins gemeinsam: Sie bauen gezielt Welt- bzw. Feindbilder auf falschen Behauptungen auf und tun Erkenntnisse der Wissenschaft, tatsächliche Entwicklungen, die nicht hier hineinpassen, als einfache Lügen ab. In den meisten Fällen werden gleich die gesamten Medien von der Tageszeitung bis zum Fernsehen als Fake-Medien bezeichnet und als nicht relevant bzw. glaubwürdig diskreditiert. Eine ernsthafte Diskussion ist nicht erwünscht.

Warum sollte all das die CEOs nun auch noch beschäftigen? Zum einen, weil die zunehmende Ausrichtung an ESG-Kriterien das „S“ nicht ausklammern darf. „S“ wie „Social Concerns“ betrifft die Menschenrechte im Allgemeinen und den Beitrag zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes im Besonderen. Auch hier bei uns in Deutschland! Zum anderen werden wir in der Gesellschaft aber auch alle Kräfte aufbringen müssen, um den Populismus wieder zurückzudrängen. Natürlich müssen dabei auch die Ursachen angegangen werden. Es geht daher um Inhalte, aber eben auch um Form und Forum der öffentlichen Diskussion. Die sozialen Netzwerke sind starke Plattformen für die weitere, krebsartige Ausbreitung dieser Verschwörungstheorien. Den Kampf dagegen alleine den Politikern und Journalisten zu überlassen, wird nicht ausreichen. Wenn die CEOs aber ihre gewichtige Stimme auf Unternehmensebene erheben und den Dialog in den Unternehmen fördern, dann müsste das zum Erfolg führen.

# Populismus # Verantwortung # ESG

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