Mut zur Kreativität

28.02.2022 Public Affairs von Christoph Baller 

Public Affairs liefen lange nach demselben Schema ab. Politiker/innen, Beamt/innen und Entscheidende werden zu Gesprächsterminen oder Veranstaltungen eingeladen, um über spezifische Themen zu diskutieren. Ziel war ein persönlicher Diskurs zu einem speziellen politischen Thema, um die Meinung der Entscheidenden zu bewegen. Dabei standen vor allem die Inhalte und Absender im Vordergrund und mussten mit Argumenten überzeugen. Emotionen spielten eine untergeordnete Rolle, auch weil die kommunikativen Mittel begrenzt waren und die Zielgruppe traditionell an harten Daten und Fakten orientiert war.

Das hat sich gewandelt. Wie in der Werbung sind politische Kommunikation und Public Affairs kreativer, bunter, aufregender geworden. Dafür verantwortlich sind die Erschließung neuer Kommunikationswege (Stichwort: digital), eine neue Offenheit der Zielgruppe für unkonventionelle oder überraschende Methoden und die gestiegene Bedeutung von Emotionen in der Politik. Das emotionale, kreative Element spielt eine zentrale Rolle, insbesondere in der Frage, wie ein Anliegen für die Mehrheit tragfähig wird. Somit wird Kreativität zur Pflicht in der Politik, um starke Anliegen mehrheitsfähig, umsetzbar und kommunizierbar zu gestalten.

Für Marketing- und PR-Kolleginnen und -kollegen ist die Kreativität in der emotionalen Zielgruppenansprache seit Langem ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Kommunikationskonzepte. Public-Affairs-Manager/innen hingegen sehen Kreativität in der politischen Kommunikation oft nur als „nice to have“ an.

Hier muss neu gedacht werden: Bei den zahlreichen Anschreiben, Briefen, Bitten und Informationen, die die politischen Entscheidungsträger/innen täglich erreichen, gilt es, aus der Masse herauszustechen. Dafür reicht es heutzutage in nahezu allen Fällen nicht mehr, nur durch den eigenen Namen und selten durch das Anliegen zu überzeugen. Wer vorne in der Arbeitsmappe landen will, muss bereit sein, zu überraschen und Emotionen zu zeigen. Das kann eine besondere Darstellungsform oder Haptik von „Forderungspapieren“ oder ein überraschendes Moment im Rahmen einer politischen Diskussionsveranstaltung sein – eine Mechanik, die insbesondere NGOs bereits früh verstanden und perfektioniert haben.

Für mehr Kreativität ist auch Mut seitens der Kundinnen und Kunden sowie Beratenden gefragt: Mut, neue Ideen vorzuschlagen, neue Wege zu gehen und die Ideen intern zu verteidigen. Und damit sind nicht Präsentkörbe im Corporate Design oder bunte Briefe mit hübschen Grafiken gemeint.

Gute Argumente sind nur so viel Wert wie ihre Verpackung. Mit emotional ansprechenden Ideen schaffen wir einen positiven Verstärker für politische Anliegen, die so mehrheitsfähig werden. Gemeinsam für eine bessere Politik, die gerne angenommen wird.

 

 

# Politische Kommunikation # Public Affairs # Emotionalität # Kreativität

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