Geräuschlos, aber nicht leise – Annalena Baerbock ist die erste grüne Kanzlerkandidatin

20.04.2021 Public Affairs von Michael Dietrich 

Mit Annalena Baerbock wählen die Grünen zum ersten Mal eine Kanzlerkandidatin für eine Bundestagswahl. Eine Wahl für einen ganz bestimmten Politikstil an der Spitze der Partei. Denn die Spitzenkandidatin macht vieles anders als andere in der ersten Reihe der Politik. Und mit ihr an der Spitze werden viele Koalitionen denkbar.

Bis ins kleinste Detail

Vor über drei Jahren sind Robert Habeck und Annalena Baerbock an die Spitze der Bündnisgrünen gewählt worden und führten die Partei seitdem von Erfolg zu Erfolg. Klar, dass nun einer der beiden in seinen Ambitionen zurückstecken muss. Im Gegensatz zur Union, erledigten die Grünen das ruhig und vertraulich: Annalena Baerbock wird Kanzlerkandidatin der Grünen. Ihre Worte nach der Verkündung zeigen, dass hier keine einsame Spitzenkandidatin gekürt wurde, sondern die Anführerin eines Teams.

Diese Art der Kommunikation passt auch zu den Beschreibungen, die derzeit über Baerbock verfasst werden. Fleißig sei sie, mit offenem Blick für Erkenntnisse der Wissenschaft und akribisch in der Sacharbeit – bis ins kleinste Detail. Was sie von ihren (allesamt männlichen) Mitbewerbern der Union und SPD abhebt, ist die vertraute Kombination eben jener Eigenschaften: Willensstärke gepaart mit der Liebe zum Detail und der sachlichen Diskussion erinnern nicht nur beiläufig an Angela Merkel.

Die Wirtschaft - eine neue grüne Liebe

Im Zentrum steht bei Annalena Baerbock die Wirtschaft. Als ordentliches Mitglied des Wirtschaftsausschusses seit 2013 bis heute liegt hier unzweifelhaft ihr politischer Schwerpunkt: die Transformation der Wirtschaft in eine ökologische Green Economy.

Ein Angebot für die gesamte Gesellschaft, das sei die Vision der Grünen für die Zukunft Deutschlands, betont sie. Es brauche einen Neuanfang für Deutschland. Bei Ihren Ausführungen achtet sie darauf, möglichst bei keiner Gruppe anzuecken, auch nicht bei den Chefs in der Wirtschaft.

Als Angehörige des Realo-Flügels der Grünen zeigt sie Interesse an ganz klassischer deutscher Industrie: der Automobilindustrie in Form des Tesla-Werks in Brandenburg. Baerbock bewertet die Chancen dieser Ansiedlung und setzt auf Elektromobilität. Umgekehrt bedeutet dies für die Wirtschaft, dass die Grünen mit Annalena Baerbock ein ernst zu nehmender Gesprächspartner werden sollten.

Politische Partnerwahl – Alles ist drin

Bleibt noch die Frage, mit welchem Koalitionspartner Baerbock am besten könnte. Die einzig richtige Antwort darauf scheint zu sein: mit fast allen. Ihre Nähe zur Union zeigte sie in den gescheiterten Koalitionsverhandlungen von 2017. Die gebürtige Hannoveranerin machte sich aber auch für eine Rot-Schwarz-Grüne Landesregierung in Brandenburg stark. Und auch Rot-Rot-Grün ist alles andere als undenkbar. Das zeigt schon der Blick in den Programmentwurf: 12 Euro Mindestlohn und keine Sanktionen mehr bei Hartz 4.

Mit der Entscheidung für Annalena Baerbock haben die Grünen den Anspruch unterstrichen, die entscheidende politische Kraft in diesem Wahljahr zu sein. Wer in Zukunft ein gutes Verhältnis mit einer möglichen Regierungspartei wünscht, muss von nun an die Grünen mit bedenken.

# Bundestagswahl # Bündnis90/Die Grünen # Green Economy

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