Die Ergebnisse von COP26 in der Perspektive – Der Staat wird es nicht fixen, wir sind es.

29.11.2021 Public Affairs von Bernd Buschhausen 

COP26 ist vorbei, der Klimawandel schreitet voran. Das ist zunächst das unmittelbare Ergebnis der Verhandlungen der Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention (COP26) in Glasgow. So richtig viel war nicht zu hören, da nach wie vor die Covid-19-Pandemie sowohl die mediale als auch politische Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und doch: die existenzielle Herausforderung des Klimawandels bleibt, das Problembewusstsein in der Bevölkerung ist groß und der Handlungsdruck auf die Politik steigt.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Vertragsstaaten, in Glasgow neue oder umfassendere Lösungen und Ansätze zu verhandeln, um die Anstrengungen, den Klimawandel zu verlangsamen, zu intensivieren. Wenig überraschend ist, dass die Ergebnisse für die einen zu wenig, für die anderen zu weitreichend sind.

Immerhin mag das als ein sicheres Zeichen dafür gedeutet werden, dass etwas erreicht wurde. Anbei eine kleine Auswahl:

  • Die nationalen Klimaziele bis 2030 sollen nachgebessert und bereits bis Ende 2022 geprüft werden.
  • Die Kohleverbrennung soll deutlich verringert, "ineffiziente" Subventionen für fossile Energieträger wie Öl und Kohle gestrichen werden.
  • Die Industrieländer sollen armen Ländern jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und Anpassung an die Folgen der Erderwärmung bereitstellen.
  • 141 Länder verpflichteten sich dazu, bis 2030 den weltweiten Verlust der Wälder zu stoppen.

Ob dies ausreichend sein wird? Wohl eher nicht.

Nicht „die Politik“ schafft’s, wir sind es.

Die Verhandlungsergebnisse sind eben das, was sie sind: ein Ergebnis von Verhandlungen. Und zwar in erster Linie zwischen Vertretern verschiedener Staaten, die primär im Auftrag für ihr Land, für ihre Bevölkerungen, BürgerInnen, Wirtschaft, Institutionen und Organisationen verhandeln. Das Ergebnis kann somit auch als ein Zeichen dafür gewertet werden, was wir als Bevölkerung, BürgerInnen, Wirtschaft, Institutionen und Organisationen eines Staates bereit sind, gegen den Klimawandel zu tun. Insofern wird deutlich: Nicht die Politik oder die Staaten sind es, die den Klimawandel lösen müssen. Wir sind es alle gemeinsam, die Politik agiert als Stellvertreter für uns.

IMBY statt NIMBY (Not in My Backyard).

Die Staaten haben sich bei den Verhandlungen für etwas eingesetzt oder auch dagegen: China und Indien haben den Text zur Nutzung von Kohle als Energieträger abgeschwächt, 30 Staaten sowie unter anderem Unternehmen (darunter auch Automobilkonzerne) bekannten sich dazu, bis 2040 den ausschließlichen Verkauf und die Nutzung emissionsfreier Autos sicherzustellen; Deutschland gehört nicht dazu, auch die USA nicht.

Aber am Ende ist nicht das ausschlaggebend, was die Staaten machen, sondern dass das große „Wir“ einen Beitrag dazu leistet, der größten existenziellen Bedrohung der Menschheit entgegenzutreten. Denn Klimaschutz und Nachhaltigkeit beginnen mit dem eigenen Verhalten – ob als Individuum, Unternehmen oder Institution. Große oder auch kleine Ambitionen, mit denen wir uns auch profilieren wollen, müssen in entsprechenden Aktivitäten gipfeln – erst dann kann die Kommunikation dazu ihre Wirkung entfalten. Der Beitrag zum Klimaschutz fängt eben nicht beim Staat an, sondern auf dem eigenen Hof. Dann klappt es auch gemeinsam – kommunikativ und operativ.

 

 

 

# COP26 # UN-Klimarahmenkonvention # Klimawandel

Zurück