Den Fokus weiten: mehr Vergütungsgerechtigkeit, Gesundheit und Frauen

22.02.2021 Public Affairs von Johannes Zenner 

Investoren geht es nicht nur um die Rendite, sondern um gesamtgesellschaftlichen Werterhalt – sogar als Vorbild für Verbraucherschützer und Politik.

Burger von McDonald‘s, Energydrinks von Monster, Pizza von Nestlé: alles lecker – aber nur bedingt gesund. Da aber viele Verbraucher mit Ernährungsprodukten wie diesen noch zu naiv umgehen, sind Fettleibigkeit und einhergehende Krankheiten weiterhin ein Thema unserer eigentlich aufgeklärten Gesellschaft. Gerade Familien greifen gern mal zu diesen Leckereien. Spart Zeit, hält die Meute bei Laune. Allerdings: Ärzte wie Verbraucherschützer ächzen angesichts der Auswirkungen.

Der Gesetzgeber und seine Wächter setzen dabei zu sehr auf uns als Erwachsene, Eltern und mündige Konsumenten. Wir sollen bewusster einkaufen und essen, unseren Kindern ausgewogene Ernährung vorleben. So sollen verbreitete Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herzleiden zurückgehen. Alles richtig – aber Theorie. Denn es funktioniert leider nur bedingt. Vor allem stehen dabei die produzierenden und gutverdienenden Unternehmen zu wenig in der Pflicht.

Am längeren Hebel der Macht

Professionelle Investoren, etwa Vermögensverwalter, die große Pensionsfonds betreuen, haben dauerhaft ein Interesse daran, dass ihre Bezugsberechtigten, also Arbeiter und Angestellte, ihre Pensionen erhalten und dazu die Firmen im Portfolio langfristig verlässlich sind. Also stehen Investoren als sogenannte Stewards im Dialog mit dem verantwortlichen Management in DAX, MDAX & Co. Von Allianz bis Zurich: Wo viele Stewards vor allem in Deutschland noch zu oft mit angezogener Handbremse unterwegs sind, spielen sie in Übersee ihre Stärken konsequent aus. Beispiel Großbritannien: Hier stand der Handelsriese Tesco, den gesunde Ernährung nicht sonderlich interessierte, unter Druck der Anleger. Mit Erfolg: In den zugehörigen Supermärkten finden sich nun deutlich mehr gesunde Nahrungsmittel und Getränke.

Unternehmen handeln hier mitnichten nur aus Imagezwecken. Die finanziellen Risiken bei Nichtstun überzeugen letztlich. Das Gute daran: Wenn Investoren, begleitet von systematischer Medienarbeit zu ihren klaren Forderungen, derart schnell und zielgerichtet agieren können, zeigt das, wie mächtig der Kapitalmarkt ist. Der finanzielle Hebel ist am längsten. Kein Unternehmen verliert gern Gelder, insbesondere nicht von Großaktionären. Heißt also: handeln, nicht nur versprechen. Und Ergebnisse zeigen.

Wir haben uns ein wenig umgehört. Auch von Hamburg bis München wächst neben dem gesamtgesellschaftlichen Verantwortungsgefühl die Dialog- und Transparenzbereitschaft in den Unternehmen. Über bisherige – wichtige und überfällige – Baustellen wie Frauenquoten und angemessene Vorstandsvergütung hinaus gilt es nun, Themen zu besetzen, die für möglichst alle Teile der Gesellschaft relevant sind. Dazu zählen gesunde Ernährung und mehr Verständlichkeit bei Finanz- und Versicherungsprodukten. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Wer sich zuerst bewegt, bleibt in Erinnerung

Am Anfang mag es noch für Unternehmen ungewohnt erscheinen, öffentlich Unzulänglichkeiten einzugestehen und Verbesserungen anzubieten. Aber: Wenn erst einer mal mutig aus der Deckung kommt, ziehen andere (auch kleinere) Firmen nach. Verbraucher profitieren, da sie wirklich wissen, was sie für ihr Geld erhalten. Das erhöht den Absatz und stärkt das Image. Ein Zirkelschluss. Minimieren sich doch dauerhaft Marktrisiken – was gut ist für die Rendite von Unternehmen, Investoren und allen weiteren Anspruchsgruppen.

# Verbraucherschutz # Stewardship # Kapitalmärkte # Transparenz # Investoren

Zurück