Ausblick 2017: Wohlwollen, Glaubwürdigkeit, Konsequenz – vom zeitgemäßen Umgang mit der (neuen) Macht

17.01.2017 Public Affairs von Cornelius Brand 

„Gebt den Kindern das Kommando! Sie bedenken nicht, was sie tun“, sang 1986 Herbert Grönemeyer in seinem Ohrwurm. Die Mehrheit derer, die heute in Deutschland Verantwortung tragen, in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, kennen diese sympathischen Zeilen. Sympathisch waren sie auch deshalb, weil man sie als nett und ungefährlich abtun konnte: Die Idee dahinter war doch immer nur ein Gedankenspiel. Denn welcher „ernsthafte“ Erwachsene würde Kindern echte Macht übertragen?

In der Realität gab und gibt es kindisches (nicht zu verwechseln mit kindlichem) Verhalten an der Spitze von Organisationen und Staaten dennoch seit jeher: Männer und Frauen, die sich aufführen wie bockige 10-Jährige oder kapriziöse 14-Jährige. Mit Lust ignorieren sie gewachsene Realitäten, fordern Konventionen frech heraus und halten ihr Umfeld ständig in Atem. So erfrischend und herzerwärmend dies bei Kindern ist („das wächst sich raus“), so sehr irritiert es uns doch bei den Großen. Beispielsweise wenn dann ein solch junggebliebener Erwachsener plötzlich Präsident wird, und das nicht in Nord-Korea, sondern als Führer der sogenannten freien Welt, in dessen Spielkiste sich der mit weitem Abstand größte Militärapparat der Welt befindet. In diesem Fall kommt eine neue Qualität in die Debatten. Und es sind Strategien gefragt, wie die Kommunikation mit so jemandem zu gestalten ist. Unsere These: Es kann gelingen.

Ist nicht die mütterlich auftretende Angela Merkel besonders gut präpariert für den Umgang mit präpotenten Männern? Sie verfügt über drei wichtige Fähigkeiten im Umgang mit Kindern und renitenten Erwachsenen und damit über Kern-Eigenschaften guter Kommunikation: Wohlwollen, Glaubwürdigkeit, Konsequenz. So sehr übrigens, dass auch Donald Trump im BILD-Interview sagt: „Ich respektiere sie, ich mag sie, aber ich kenne sie eben nicht“. Ihr Geschick und ihre Reputation eilen der Bundeskanzlerin voraus. Dafür hat sie – bei aller berechtigten Kritik - einiges getan. Und so blicken wir der ersten und für uns alle bedeutsamen Begegnung dieser beiden Politiker optimistisch entgegen. Etwas anderes ist im Lutherjahr 2017 auch kaum möglich.

# DonaldTrump # AngelaMerkel # 2017 # Reputation

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