Alles wird gut – mit mehr Mut

05.01.2021 Public Affairs von Johannes Zenner 

2021: Jahr der Entscheidungen. Das Virus prägt uns weiter. Jetzt geht es um alles: gelebte Digitalisierung, unternehmerische Verantwortung und eine andere Definition von Rendite. Wie hier richtig handeln – und glaubhaft sein?

Einer der Allgemeinplätze von 2020 war „Purpose beyond Profit“. Top-Manager schwärmen vom unternehmerischen Zweck, der allgemein wertschöpfend über Eigenprofit hinausgeht, mit warmen Worten. Dieses Jahr kommt es darauf an, diesen schönen Satz zu leben. Wer sich damit schmückt, muss handeln. Nachweisbar und transparent. Nicht nur skeptische Journalisten schauen noch genauer hin – auch Kunden und Investoren haben wachsendes Interesse. Die Schonzeit ist vorbei.

Ein steiniger Weg. Denn die Corona-Krise belastet, Unsicherheit schlägt oft Impfstoff-Euphorie. Wer Sinn stiften möchte mit seinem Schaffen, muss zum Beispiel absehbare Rentabilität und mögliche Verschuldung gegeneinander abwägen. Aber wir sitzen im selben Boot – fremdfinanziert auf Kurs. Beispiel Deutschland: Rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen die Hilfsmaßnahmen, bis zu 15 Prozent ist die Staatsverschuldung 2020 gestiegen – Ende offen…

Die Krise des Kapitalismus dauert vorerst länger als die Pandemie. In zwei bis drei Jahren hat das neue Virus an Macht verloren – alte Probleme bleiben, etwa:

  • Schwaches Wachstum, insbesondere post Corona
  • Abnehmende Wirkung von Verschuldung bzw. Notenbank-Stützen
  • Digitales Wachstum vs. analoges Verkümmern

„Wenn es ernst wird, muss man lügen“, sagte Jean-Claude Junker, ehemals Präsident der Europäischen Kommission, 2011 angesichts der wachsenden Schuldenberge und fehlenden Reformen in der EU. Tricksen und täuschen – das ist 2021 obsolet und hilft nicht mehr. Nur noch: Walk the talk.

Das heißt: Chancen nutzen, etwa digital mit flexiblem Arbeiten (teils Homeoffice, teils Büro) sowie mit ernsthafterem Gebrauch von Sozialen Medien. Nicht zur Zerstreuung, sondern auch in Schulen, zur politischen bzw. beruflichen (Weiter-)Bildung und Partizipation. Hierarchien flachen ab. Das steigert Produktivität.

Zweck vor Ertrag – bei geteilter Last

Das bedeutet auch, dass bislang eher verhätschelte Aktionäre, etwa von geplagten Autobauern im Strukturwandel, ihre Renditeerwartungen zurückschrauben müssen. Welcher Konzern kann guten Gewissens üppige Dividenden zahlen, wenn er zugleich Mitarbeiter entlassen oder in den Vorruhestand senden muss. Wer das proaktiv, offen und in klarem Zusammenhang erklärt, gewinnt statt zu verlieren. Erntet volles Vertrauen verantwortungsbewusster und damit nachhaltig agierender Aktionäre – und verbessert seine Reputation in Politik und Gesellschaft.

Wir haben die Komfortzone, längst brüchig, mit der Pandemie hinter uns gelassen. Für die Zukunft ist das die frohe Botschaft. Denn es gibt nur eine Richtung: nach vorn. Mit offenem Visier und Dialogbereitschaft.

# Purpose beyond Profit # Verantwortung # Dialog

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