Es geht um unsere Existenzgrundlagen, Dummkopf!

11.08.2021 Nachhaltigkeit von Michael Knecht 

Beim Thema Nachhaltigkeit muss jetzt Butter bei die Fische

„Was bringt ein gerettetes Klima, wenn die Arbeitsplätze weg sind“ oder „Kein Klimaschutz ohne Rücksicht auf Verluste“ – solche und ähnliche Äußerungen waren in der politischen Debatte noch vor wenigen Wochen relativ häufig zu hören. Das Narrativ dahinter: Klimaschutz ist potenziell schädlich für Wirtschaft, Arbeitsplätze, Wohlstand. Verlustängste sollten für Wohlverhalten an der Wahlurne sorgen. Die Äußerungen suggerierten ja schließlich, dass es auch anders ginge. Von den drohenden Schäden und Verlusten infolge des Klimawandels keine Rede.

Die Realität hat inzwischen etwas anderes gezeigt. Schon der jetzt geforderte Hilfsfonds von 20 bis 30 Milliarden Euro für die Flutopfer verdeutlicht das enorme Schadensrisiko – von den psychischen Belastungen der Betroffenen ganz zu schweigen. Natürlich hat es Überschwemmungen und Waldbrände immer schon gegeben. Doch in der Gesamtschau der vergangenen Jahre sind Häufigkeit und Intensität dieser Ereignisse kaum zu übersehen. Längst haben Gerichte, Regierungen und Unternehmen die Unzulänglichkeit ihrer selbst gesteckten Ziele und Maßnahmen ins Stammbuch geschrieben. Und auch der Weltklimarat bestätigt das und konstatiert in seinem aktuellen Sachstandsbericht eine deutlich schnellere Erderwärmung als bisher angenommen. Mit entsprechenden Konsequenzen für unser aller Lebensraum. Es geht um nicht weniger als unsere Existenzgrundlagen.

Mit diesen gehen wir ohnehin schon länger nicht besonders verantwortungsvoll um. Bereits am 29. Juli „feierte“ die Welt in diesem Jahr den Earth Overshoot Day. Deutschland hat diesen Tag sogar schon am 5. Mai erreicht. Fast zwei Drittel des Jahres funktioniert unser Lebensstil praktisch nur auf Pump. Eine Situation, die angesichts weiter wachsender Weltbevölkerung eigentlich unhaltbar sein dürfte.

Eine Politik, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die in vielen Bereichen eng miteinander verflochten sind, immer noch als nachrangig bezeichnet und tiefgreifenden Handlungsbedarf negiert, wird dem nicht gerecht. Ebenso wie eine Wirtschaft, die Nachhaltigkeit nur als von außen aufgezwungene Belastung betrachtet, denn als selbstverständliche Verpflichtung im Sinne des langfristigen Fortbestands von Unternehmen. Stattdessen ist nachhaltiges Wirtschaften weiterhin eine Nische, die als besonderes Alleinstellungsmerkmal und Abgrenzungsmöglichkeit zum konventionellen Wettbewerb dient. Politik und Wirtschaft – Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen – müssen hier nun endlich großflächig umdenken und wohlfeilen Worten auch wirksame Taten folgen lassen. Hunderte Seiten starke Nachhaltigkeitsberichte, die mehr durch Masse als durch klare, übersichtliche Aussagen brillieren, sind dabei ebenso wenig hilfreich, wie Ratings, die lediglich die Einäugigen unter den Blinden identifizieren. Gefragt sind nicht immer neue, ausufernde Berichte und Berichtspflichten, die oftmals in wortreichen Beschreibungen des Nichtstuns enden, sondern vielmehr klare und übersichtlich strukturierte Anforderungen, aus denen sich für alle Beteiligten schnell und nachvollziehbar entsprechende Konsequenzen ableiten lassen.

Mit einem mehr oder weniger „weiter so“ werden wir sonst vielleicht doch bei der alten Weissagung der Cree landen: „Erst wenn der letzte Baum gerodet,…“

 

 

# Nachhaltigkeit # Klimaschutz # Wirtschaft

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