Grüner wirds nicht – aber steht bitte dazu

16.04.2021 Kapitalmarkt & Investor Relations von Johannes Zenner 

Im Supermarkt die Bio-Milch, beim Bankberater der Klima-Fonds: Nachhaltigkeit ist aber viel mehr als ein Produkt, sondern eine Haltung und bald Allgemeinplatz.

Manche hören schon nicht mehr hin, wenn Vermögensverwalter mit nachhaltigen Geldanlagen werben. Denn: Deutschlands Sparer, wenn sie sich für das Thema interessieren, haben sich mittlerweile eingedeckt – der Rest legt weiter vorrangig Wert auf Sicherheit sowie Liquidität und lässt sein Geld auf nahezu unverzinsten Tages- und Festgeldkonten verkümmern. Lieber falsch parken als richtig und nachhaltig am Kapitalmarkt einsteigen.

Nachvollziehbar, dass Banker und Berater ihre grünen Investments anpreisen. Fürwahr: Gut fürs Gewissen bedeutet gut für die Rendite. Zahlreiche Studien zeigen, wie groß die Risiken für Unternehmen sind, wenn sie nicht möglichst nachhaltig wirtschaften und sich nicht für Klima und Umwelt, eine saubere Lieferkette sowie optimale Mitarbeiterzufriedenheit einsetzen. Wer hier nichts tut, den straft der Kapitalmarkt hart ab – der immer grüner gesinnte Kunde sowieso.

Be what you sell

Zurück zur Geldanlage: Wenngleich so manche Werbemaßnahme zu plump erscheint – die Richtung stimmt. Dabei taugt Nachhaltigkeit nicht nur als Schaufensterprodukt, sondern muss umfassend auch auf Gesamtebene gelebt werden. Nachhaltigkeit sollte in jeder Geldanlageberatung eine Hauptrolle spielen, veranschaulicht sein mit passenden Strategien und zugeschnitten werden auf geeignete Produkte. In dieser Reihenfolge. Nachhaltigkeit also als längst überfällige Verbesserung von Geldanlagen, was nun zur Gewohnheit wird – wie beim Auto einst Scheibenwischer und Servolenkung.

Beifolgend mit Beurteilung nach den Nachhaltigkeitskriterien Environmental (E), Social (S) und Goverance (G) verändert sich die gesamte Art zu investieren und zwar langfristig auf drei Ebenen:

1. Geldanlagen nach ESG werden Bewertungsstandard. Egal ob Einzelaktien, ETFs oder aktiv gemanagte Fonds. Weitere Ausdifferenzierungen (Stichwort: EU-Taxonomie) nach regulatorischen Vorgaben beschäftigen dabei zwar die Branche, interessieren Anleger aber kaum.

2. Anleger müssen ihren Horizont weiten. Beispiel: Ein Aktienkauf wird immer weniger eine Wette auf ein Unternehmen, sondern zunehmend zu einer Entscheidung auf lange Sicht, die gut durchdacht sein will sowohl fürs eigene Portemonnaie als auch für die Umwelt/Gesellschaft.

3. Die ESG-Disruption hält an. Umwelt, soziale Verantwortung und ein klares Wertegerüst beschäftigen Unternehmen schon deshalb, weil Regulatoren und Regierungen die Zügel weiter anziehen werden. So soll die US-Steuerpolitik an Klimazielen ausgerichtet werden, angelehnt an den europäischen Green Deal, der bis 2050 zur Klimaneutralität des Kontinents führen will. Runtergebrochen: Sauber sein, Steuern sparen.

Greenwashing war gestern – Gewinner und Verlierer sortieren sich

Banken, Fondsvermittler & Co. müssen jetzt für sich sowie in ihrem Dialog mit Kunden Fragen beantworten wie: Welche kommunikativen Herausforderungen intern wie extern haben wir? Wie umfassend nachhaltig aufgestellt sind auch wir als Unternehmen, Stichwort: eigener CO2-Fußabdruck? Wie eng trete ich in den Dialog mit kritischen Investoren, auch auf institutioneller Ebene, wo Nachhaltigkeit sehr wichtig ist? Reicht einmal im Jahr ein eigener Nachhaltigkeitsbericht oder kommuniziere ich mindestens begleitend quartalsweise?

Vom Schüler bis zum Staatsoberhaupt: Verbraucher erwarten, dass Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen sie nutzen, sich verantwortlich verhalten und dies auch zeigen. Was bislang noch eine nette Fingerübung für Marketing und Social Media war, ist nun im Vorstandsfokus wirtschaftlich-reputierlicher Überlebensfaktor.

 

 

Nach oben

# Kapitalmarkt # Nachhaltigkeit # ESG

Zurück