Soziale Medien verbinden nachhaltig – außer Clubhouse

11.02.2021 Digitale Kommunikation von Johannes Zenner 

Schöne neue Welt, aber mit Paralleluniversum: Warum LinkedIn Bindeglied und CO2-Reduzierer ist – und weshalb eine App elitär die Digital Community aufmischt.

Jüngst frohlockten wieder Meinungsmacher, wie toll sich unser CO2-Fußabdruck dank Digitalisierung verringert. Gut so. Denn: Dieser Abdruck ist womöglich der wichtigste Wert des Jahrhunderts. So will das EU-Parlament zum Beispiel das EU-Klimaziel für 2030 verschärfen. Heißt: statt 40 gleich 60 Prozent CO2-Reduktion. Die Corona-Krise verträgt sich hier gerade ganz gut mit der Dienstleistungsgesellschaft, die auch ohne Fließband produktiv sein kann und flexibel Wachstum schafft.

Soziale Medien und der Klimaschutz

Digitale Lösungen machen vieles einfacher. Etliche Unternehmen verlagern ihre Prozesse und Services ins Netz und bilden Abläufe online ab – von adidas bis Vonovia. Wer seinen Fußabdruck hier ebenfalls digital kontrolliert, gewinnt. Neue Perspektiven entstehen ohne teure Beraterkolonnen und komplizierte Excel-Sheets. Beispiel Kommunikation und Kontakte: Hier reduziert der Austausch über Soziale Medien Mengen an Abgasen. Wir reisen weniger, kommunizieren gleichwohl mehr.

Das Business-Netzwerk LinkedIn bietet sich hierbei universell an. Auch Journalisten entdecken die Vorteile, weil ihre Posts zielgruppengenau schneller und intensiver wirken als auf klassischen Online-Angeboten, insbesondere zu Stoßzeiten in den Morgenstunden und am späten Nachmittag. Zudem: Gezielter Dialog entsteht etwa via Kommentarfunktion oder, und dann mit Privatsphäre, als Direktnachricht. Vernetzung zu Inhalten gelingt nirgendwo effizienter, effektiver – und so grenzenlos. Jeden Tag nehmen wir mehr wahr, dass Meetings nicht immer physisch in einem Raum sein müssen, das Auto in der Garage und das Flugzeug am Boden bleiben kann.

Digitaler Lückenfüller – elitärer Ausgrenzer

Schön für die CO2-Bilanz, schlecht für die Grundbedürfnisse der Meinungselite. Denn viele Menschen streben auch weiterhin nach Exklusivität – Austausch im kleinen Kreis. In diese digitale Lücke stößt seit Jahresbeginn Clubhouse. Als Anwendung in Apples App Store und mit Zugang zu Chaträumen, in denen Nutzer diskutieren: von deutschem Baurecht bis hin zu internationalen Zulieferketten. Clubhouse gibt es nur für iPhone-Nutzer und auf konkrete Einladung. Das gibt Auserwählten das Gefühl von Exklusivität. Aber ist das wirklich noch nachhaltig und sozialmedial? Nein.

Clubhouse killed the Radio Star…

Der PR-Profi fragt sich: Wie kann ich meine Kunden hier mit (monetärem) Mehrwert einbinden? Der Politiker informiert zwar gern in kleiner Runde, hofft aber zugleich, dass ein Chefredakteur zuhört und die Botschaft multipliziert. Denn das ist aus mediendemokratischer Sicht das Problem: die Begrenzung von Zugang und Informationsfluss. Salopp gesagt: Radio und Podcasts für die Masse – Clubhouse für die digitale Oberklasse. Eigene Audioformate von Twitter („Spaces“) und Facebook stehen schon in den Startlöchern. All der Wildwuchs führt zur Kernfrage, wie sich neue Kanäle ohne Bruch mit Beliebtem wie beispielsweise LinkedIn verzahnen lassen. Schließlich haben Soziale Medien ja sehr viel mit dem Teilen von Inhalten („shared content“) zu tun. Mal sehen, vielleicht heißt es dann bald ganz selbstverständlich: „Wie der Wirtschaftsminister heute früh auf Clubhouse sagte.“

# Social Media # Clubhouse # ESG # LinkedIn

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